Seit 2017 ist sie im Vorstand der Mercedes-Benz Group AG, seit 2025 als Personalvorständin. Wir haben mit Britta Seeger über „Winning Attitude“, moderne Führung und Qualifizierung in Zeiten von KI gesprochen.

Das Interview führte Claudia ten Hoevel, Fotos von Dirk Bruniecki

1. Was sind aktuell die wichtigsten Themen in Ihrer Position?

Mein Team und ich verfolgen zwei zentrale Ziele: Wir wollen die Transformation von Mercedes-Benz aktiv gestalten – mit und für die Beschäftigten. Gleichzeitig geht es darum, unsere Wettbewerbsfähigkeit zu stärken. Kurz gesagt: Wir richten unser Unternehmen konsequent auf die Zukunft aus. Wir investieren z. B. massiv in die Qualifizierung unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Ein weiterer Fokus ist unsere Initiative „Winning Attitude“. Damit fördern wir eine Kultur, die auf Verantwortung, Tempo und Teamgeist setzt. Persönlich hat für mich derzeit der direkte Austausch mit unseren Mitarbeitenden oberste Priorität. Ich führe viele Gespräche. Diese sind in Zeiten großer Veränderung essenziell, um Orientierung zu geben, Sorgen zu nehmen und Vertrauen zu schaffen.

2. Leadership hat sich verändert. Was bedeutet für Sie moderne Führung?

Ja, Führung hat sich verändert. Für mich bedeutet Führung heute vor allem, Mentorin und Coach zu sein. Es geht darum, Teams zu befähigen, eigenständig zu handeln und ihr Bestes geben zu können – gerade in einer Zeit, in der sich die Spielregeln ständig ändern. Ich vergleiche das mit dem Fußball: Auch dort können die Spielerinnen und Spieler nicht darauf warten, dass der Trainer jede Aktion vorgibt – das Spiel ist viel zu dynamisch. Erfolgreiche Spielzüge entstehen im Zusammenspiel, aus spontanen Chancen heraus. Übrigens: Führung wird bei Mercedes-Benz Jahr für Jahr weiblicher. Auch das: eine Veränderung zum Guten.

3. KI verändert die Arbeitswelt massiv. Welche Chancen und Risiken sehen Sie?

KI ist bereits heute Teil unseres Arbeitsalltags und wirkt wie ein Transformationsturbo. Sie hilft, Routineaufgaben zu automatisieren und dadurch Freiräume für kreative und strategische Arbeit zu schaffen. Sie unterstützt auch bei komplexen Aufgaben, etwa bei der Analyse großer Datenmengen, die zu neuen Erkenntnissen führen können. Ich sehe in KI zuallererst eine enorme Chance – für das Unternehmen, aber auch für jede und jeden Einzelnen. Kein Zweifel: Eventuelle Risiken müssen wir fest im Blick haben. Aber derzeit ist in meinen Augen das größte Risiko, die Chancen von KI nicht zu nutzen.

4. Was bedeutet das zukünftig für das Thema Qualifizierung?

Ausgelernt gibt es nicht mehr! Das Credo ist zwar nicht neu, aber der Trend wird sich weiter intensivieren: Wir müssen dauerhaft am Ball bleiben ‒ ob sechzehn oder sechzig. Entsprechend haben wir auch unsere Qualifizierung angepasst: kleinere, schnellere Wissenseinheiten, die Spaß machen. Anwendungsorientiert, flexibel und selbstbestimmt. Als Personalvorständin ist mir wichtig, dass wir alle Beschäftigten mitnehmen. Mit Formaten, die helfen, Berührungsängste abzubauen und neue Technologien spielerisch und praxisnah zu erleben. 

5. Was raten Sie jungen Menschen, die in das Berufsleben starten? Haben Sie speziell Tipps für junge Frauen?

Geht raus aus Eurer Komfortzone! Und: Bleibt offen für Feedback. Wer die Neugier behält und bereit ist, neue Perspektiven einzunehmen, wird wachsen – beruflich wie persönlich. Mich haben z. B. meine Einsätze in Südkorea und in der Türkei sehr geprägt. Netzwerke und Mentoring können eine große Unterstützung sein. Sucht Euch ein Vorbild. Bei Mercedes-Benz gibt es viele tolle Frauen und Männer, die sich bestens dafür eignen. Junge Frauen möchte ich ermutigen, selbstbewusst ihren Weg zu gehen – auch in Berufsfeldern, die vermeintlich männlich geprägt sind.

Weitere starke Frauen, die inspirieren. 

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Hier ein Auszug weiterer Protagonistinnen, die wir für unseren She’s Mercedes Newsletter interviewen durften:

  • Jasmin Eichler
  • Sue Giers
  • Stefanie Giesinger
  • Annica Hansen
  • Oona Horx-Strathern
  • Estelle Marandon
  • Guya Merkle
  • Annabelle Gräfin von Oeynhausen-Sierstorpff
  • Henrike Redecker
  • Maria von Scheel-Plessen
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