Editorial von Usha Linthe-Rasch

Die neue Definition von Luxus dreht sich um Werte und Verantwortung.

Liebe Leser*in, 

 

sind Deine Koffer schon gepackt? Ich habe das Gefühl, diesen Sommer ist die Reiselust besonders groß, es ist der erste seit drei Jahren, in dem wieder alles möglich scheint ohne Einschränkungen. Neues entdecken, entspannen, Abstand finden vom Alltag. Dass man dafür gar nicht um die halbe Welt reisen muss, fällt mir immer wieder auf, wenn ich in Deutschland unterwegs bin. Etwa in Heidelberg, von wo wir starten, wenn unsere Driving Retreats am Hockenheimring stattfinden.

 

Caroline von Kretschmann ist dort unsere großartige Gastgeberin im Grandhotel Europäischer Hof. Einem Traditionshaus mit ganz viel Charme und Geschichte, das sie nun in vierter Generation führt. Aber auch einem Ort, an dem neue Wege gegangen werden. Diese Verknüpfung von Tradition, Vision und Luxus finde ich besonders spannend.

 

Ich wünsche Dir ganz viel Inspiration und neue Blickwinkel. Und solltest Du neugierig geworden sein auf Caroline, das Hotel und unsere She’s Mercedes Driving Retreats: Am 10. und 11. November findet das nächste in Heidelberg und am Hockenheimring statt – Details folgen im kommenden Newsletter. Oder schreib mir gerne eine Mail an usha.linthe-rasch@mercedes-benz.com, um Dich auf die Warteliste setzen zu lassen. Weitere Driving Retreats, auch an anderen spannenden Locations, sind bereits in Planung. Ich freue mich, wenn Du dabei bist.

Viel Spaß beim Lesen,

 

Deine Usha

Das Interview führte die Autorin Claudia ten Hoevel

Ein Interview mit Caroline von Kretschmann im Hotel Europäischer Hof in Heidelberg.

 

„Manchmal schwächt es einen, wenn man etwas ausschlägt, das einem zufällt‘ – dieser Satz hat mich damals sehr erreicht.”

 

Als Du schon acht Jahre in Berlin Deine eigene Unternehmensberatung geführt hattest, haben Deine Eltern Dich und Deine Lebensgefährtin gefragt, ob Ihr das Fünf-Sterne-Hotel „Europäischer Hof“ in Heidelberg übernehmen wollt. Du hattest zunächst abgelehnt, warum?

 

Die eigene Beratung war quasi mein „Baby“ und ich fühlte mich auch verantwortlich für die 15 Mitarbeitenden. Außerdem waren meine Lebensgefährtin, die damals bereits eine sehr erfolgreiche systemische Beraterin und Coachin war, und ich sehr verwurzelt in Berlin, in unserem Freundeskreis und in unseren jeweiligen beruflichen Feldern. Ganz entscheidend war für mich außerdem der Respekt vor der Aufgabe. Ich wollte auf keinen Fall diejenige sein, die in der vierten Generation mit dem Hotel dann eventuell scheitert. Eine Option, die in dem sehr kompetitiven Marktumfeld und als einem der wenigen privat geführten Luxushotels ohne kapitalstarken Investor im Rücken durchaus real ist. Zudem war ich unsicher, ob ich über die erforderlichen Kompetenzen, gerade als Quereinsteigerin, verfügte, das Unternehmen erfolgreich zu führen. All diese Gründe haben mich und uns bewogen, zunächst Nein zu sagen. Was meine Eltern aber sehr gut aufgenommen hatten. Sie ließen uns wirklich ganz frei. Das ist keine selbstverständliche Haltung bei Vorgängern und Vorgängerinnen in Familienunternehmen.

 

Warum hast Du Dich dann umentschieden? Was war letztlich ausschlaggebend?

 

Trotz der Entscheidung dagegen hat das Thema weiter in mir gearbeitet. Ich spürte eine enge Verbindung zum Haus. Und auch eine Verantwortung ihm gegenüber. Familienunternehmen werden ja oft wie Familienmitglieder wahrgenommen, das Wohlergehen des Betriebes ist einem wichtig. Und häufig bestehen ganz tiefe, unterschwellige Verbindungen, die gar nicht ausgesprochen werden müssen, die aber wirken. Meine Partnerin hatte mich zwischenzeitlich motiviert, eine Ausbildung zur systemischen Beraterin und Coachin zu machen. In diesem Kontext habe ich bei einer Organisationsaufstellung die Thematik nochmals bearbeitet. Auch hier wurde die sehr enge Verbindung zwischen dem Hotel und mir dann noch mal deutlich. Der Aufstellungsleiter ergänzte dieses Bild, meine immer noch bestehende Ambivalenz fühlend, mit dem Satz: „Manchmal schwächt es einen, wenn man etwas ausschlägt, das einem zufällt.“ Das hat mich damals sehr erreicht. Und so habe ich es dann doch gewagt.  

 

„Wir sind kein Grandhotel, in dem man vor Ehrfurcht erstarrt, sondern ein Ort, an dem man laut lachen, streiten, weinen, fröhlich und man selber sein kann.”

Seit über 150 Jahren ist das Hotel Europäischer Hof Heidelberg für Gäste aus aller Welt ein gehobenes und herzliches Zuhause auf Zeit.

Hast Du den Schritt jemals bereut?

 

Nein. Nie. Ich habe durch diesen Schritt meine Berufung gefunden, und das ist ein großes Privileg. Unser Führungs-Credo ist: „Wir lieben, was wir tun.“ Es ist unser Ziel, jeden und jede an den Platz im Unternehmen zu setzen, bei der er oder sie liebt, was er oder sie tut. Dann folgen Freude, Begeisterung und Erfolg meistens von selbst. Ich habe das Glück, durch die Entscheidung für das Hotel eine Aufgabe gefunden zu haben, die ich liebe. Zudem ist es toll und auch berührend, gemeinsam mit meinen Eltern zu arbeiten. Wenn Nachfolgen gut funktionieren, kann etwas sehr Besonderes entstehen.

 

Mit Deinem Team hast Du die Vision entwickelt, das „herzlichste Luxushotel Deutschlands“ zu sein. Was erwartet die Gäste?

 

Wir bekommen immer wieder gesagt, dass man spüre, dass es uns hier im Europäischen Hof Heidelberg ein Herzensanliegen sei, allen Menschen, die unser Hotel betreten, glückliche Momente zu bereiten. Und das beginnt mit unseren Mitarbeitenden, geht über unsere Gäste bis hin zum Postboten oder zur Taxifahrerin. Wir sind kein Grandhotel, in dem man vor Ehrfurcht erstarrt, sondern vielmehr ein Ort, an dem man laut lachen, weinen, streiten, fröhlich und man selber sein darf. Es ist die besondere Seele des Hauses, das sehr besondere Team, eine herausragende, authentische Herzlichkeit und eine empathische und werteorientierte Unternehmens- sowie eine dienende Führungskultur, die uns ausmacht. Menschen können sich bei uns an ein emotionales und soziales Kraftfeld anschließen und erleben häufig ein Gefühl des Umsorgtseins, Getragenseins und des Wohlfühlens. Uns treibt ein höherer Sinn, der weit über das Ökonomische hinausgeht. All das können Gäste von uns erwarten und natürlich den aus tiefster Überzeugung herzlichen Service und die wirkliche Dienstleistung. Wir sind noch Dienstleister alter Schule und dienen würdig und mit Hingabe und Freude.

 

Vergangenes Jahr wurdest Du unter anderem dafür auch mit dem Preis „Hotelier des Jahres“ ausgezeichnet. Was bedeutet für Dich persönlich Luxus?

 

Längst bedeutet Luxus aus meiner Sicht keinen verschwenderischen Konsum mehr. Die neue Definition von Luxus dreht sich um Werte und Verantwortung. Der traditionelle Besitz-Luxus wurde schon die letzten Jahre immer mehr vom Erlebnis-Luxus verdrängt. Jetzt wird der Sinn-Luxus relevanter denn je. Und da spielt Nachhaltigkeit, in der ganzheitlichen Form, eine große Rolle. Menschen wollen verstärkt nicht mehr nur schöne, sondern gleichzeitig gute Dinge konsumieren, die dem Gemeinwohl nicht schaden, sondern es fördern. Luxus für uns ist eine besondere Form von Aufmerksamkeit, herzlicher Zuwendung und echter Präsenz. Es ist ein Lebensgefühl, welches man mit Geld nicht kaufen kann. Menschen im Herzen zu berühren und ihnen eine Freude zu bereiten, ist der Luxus, den ich und wir bieten wollen. Für mich persönlich ist Luxus, das zu tun, was ich liebe.

 

Du bist für 150 Mitarbeitende verantwortlich und verfolgst einen „wertorientierten und empathischen Führungsstil“, an erster Stelle stehen im Europäischen Hof die Mitarbeitenden, an zweiter der Gast und an dritter das Unternehmen. Wie kam es zu diesem Konzept? Seit wann? Wie lebt das Unternehmen das?

 

Wir haben uns in einem Visions- und Strategieprozess gefragt, was uns ausmacht und wie wir arbeiten wollen. Und im Zuge dessen haben wir neben unserer Vision und Mission auch unsere Unternehmens- und Führungsphilosophie formuliert. Dazu gehört auch, dass der Mitarbeitende bei uns an erster Stelle steht. Das heißt, wir würden zum Beispiel keine Entscheidungen treffen, die unser ökonomisches Ergebnis aus reiner Profitorientierung zwar verbessern, die aber zulasten der Mitarbeitenden gehen. Daher sourcen wir auch fast nichts aus – oder wir verzichten auf Umsatz, wenn die Mitarbeitenden zu stark belastet sind. Manche Gäste hat es am Anfang irritiert, dass wir kommuniziert haben, dass unsere Kolleginnen und Kollegen vor ihnen rangieren. „Wir sind hier doch König“, wurde mir manchmal gesagt. Ich habe das dann bejaht, aber erklärt, dass aus unserer Sicht nur glückliche Mitarbeitende auch unsere Gäste glücklich machen können. Daher stünden für uns diese an erster Stelle und im Mittelpunkt unseres Handelns. Und das hat nichts Transaktionales. Wir wollen einfach, dass es unseren Kolleginnen und Kollegen bei uns gut geht und dass sie Rahmenbedingungen vorfinden, in denen sie wachsen und ihr ganzes Potenzial entfalten können.

 

Recruiting zum Beispiel sei für Dich Chefsache, sagst Du. Wie begeisterst Du die Generation Z?

 

Wir sind hier eine große Familie und das Team ist entscheidend, dass wir hier Freude bei dem haben, was wir tun. Daher spreche ich gerne mit jedem, der zu uns stoßen will. Frühere Generationen konnte man vielfach noch mit Karriere locken und mit Firmenfahrzeugen, hohen Gehältern und Beförderungen motivieren. Heutzutage wollen viele junge Menschen tendenziell eine ausgewogene Balance zwischen Arbeits- und Privatleben, eine Aufgabe, der sie Sinn verleihen können, ein nachhaltiges Agieren des Unternehmens und eine gewisse Gemeinwohlorientierung der Unternehmung. Führung wird in diesem Kontext entscheidend, und die Führungskräfte stehen in besonderer Verantwortung, die Herausforderungen für eine lebenswerte Zukunft des Unternehmens und der darin arbeitenden Beschäftigten zu gestalten. Wir begeistern die Generation Z vor allem mit unserer authentisch gelebten empathischen und werteorientierten Unternehmens- und Führungskultur, mit einer guten Stimmung und mit Entwicklungs- und Karrieremöglichkeiten. Ich glaube übrigens, dass wir von den neuen Teammitgliedern ausgesucht werden und nicht umgekehrt.

„Es ist anspruchsvoll, an 365 Tagen im Jahr 24 Stunden ein nicht triviales Produkt in höchster Qualität anzubieten."

Den Aussteiger-Traum vom eigenen Hotel irgendwann, den träumen ja viele … Was wird dabei am meisten unterschätzt?

 

Es gibt viele wunderbare Seiten der Hotellerie. Für mich vor allem den Aspekt, andere glücklich machen zu können, was einen selber wiederum glücklich macht. In einem Hotel erfährt sehr vieles, was das Leben bietet, eine Repräsentanz. Jeder Moment ist voller Ereignisse, Erlebnisse und Emotionen. Menschen aus der ganzen Welt und aus allen Gesellschaftsschichten treffen hier als Mitarbeitende und Gäste aufeinander und teilen ihre Geschichten, ihre Kulturen und ihre Träume. Ich liebe diese Vielschichtigkeit und Lebendigkeit. Zugleich: es wird häufig unterschätzt, wie komplex es ist, ein Hotel zu führen. Es ist sehr anspruchsvoll, an 365 Tagen im Jahr 24 Stunden ein nicht triviales Produkt in höchster Qualität anzubieten. Und dabei mit allem umzugehen, was die menschliche Psyche zu bieten hat, was nicht immer schön ist. Man muss, um ein Hotel erfolgreich zu führen, viele Kompetenzen vereinen, z. B. Führungs-, Kommunikations-, Konfliktmanagementkompetenzen genauso wie auch technisches, künstlerisches, architektonisches, digitales oder logistisches Know-how. Und: man muss vor allem eins, nämlich gerne und sehr viel arbeiten wollen. Auch und immer dann, wenn andere freihaben. Aber: man muss sich Sisyphos als glücklichen Menschen vorstellen.

 

Was war der außergewöhnlichste Wunsch eines Gastes?

 

Ein großes Aquarium für den mitreisenden Fisch. Es sollte ein richtig großes Aquarium sein, wobei der anreisende Fisch dann eher klein war.

 

Gab es einen Gast, der Dich besonders beeindruckt hat?

 

Ed Sheeran mit seiner Bescheidenheit. Er kam in Jogginghose herein, ließ sich bereitwillig mit Kolleginnen und Kollegen fotografieren und war immer freundlich und höflich zu allen. Wirklich ganz toll.

 

Heidelberg gilt ja als eine der schönsten Städte Deutschlands, wohin reist Du, wenn Du Dich erholen möchtest?

 

Wir reisen nach Mallorca in ein kleines, wunderbares Finca-Hotel im Nordosten der Insel. Ein Seelenort.

3 Tipps von Tipps von Caroline Von Kretschmann

Welche Ratschläge würdest Du Frauen geben, die noch am Anfang ihrer Karriere stehen?

1. Mein übergreifender Tipp unabhängig von Mann oder Frau: Suche Dir ein Feld, in dem Du liebst, was Du tust. Dann folgt meiner Erfahrung nach alles Weitere von selbst. Die notwendige Leidenschaft, Einsatzbereitschaft und Resilienz, aber auch die Freude, Erfüllung, Leichtigkeit und der Erfolg.


2. Vernetze Dich mit anderen Frauen und überhaupt. Durch Vernetzung schließt man sich an ein kollektives Energiefeld an. Zudem erhält man Unterstützung, Inspiration und Feedback und kann alles drei auch weitergeben.


3. Löse Dich aus alten Rollenmodellen.

Ein Interview mit Dr. Wiebke Ankersen, Co-Geschäftsführerin der AllBright Stiftung

Der Europäische Hof Heidelberg.

Der Europäische Hof Heidelberg gilt schon seit seiner Eröffnung im Jahre 1865 als das beste Hotel in der Metropolregion Rhein-Neckar. Heute verfügt das Hotel über knapp 100 Einzel- und Doppelzimmer, 16 Junior Suiten, 3 Executive Suiten, eine Penthouse Suite, 5 Serviced Apartments, einen Panorama Spa, 2 Restaurants, eine Smokers Lounge und 10 Veranstaltungsräume. Der Europäische Hof hat es sich zum Ziel gesetzt, das herzlichste Luxushotel Deutschlands zu werden und zeichnet sich durch einen sehr persönlichen Service und eine große Liebe zum Detail aus. Die empathische und wertorientierte Unternehmens- und Führungskultur prägt seit Generationen den Umgang mit den Gästen, aber auch im Team. „Wir lieben, was wir tun“ – dieses Unternehmens-Credo zieht sich konsequent durch alle Bereiche des Traditionshotels, dessen Mission es ist, einen Ort zu schaffen, an dem Menschen glückliche Momente erleben. Der Europäische Hof Heidelberg ist u. a. Mitglied der Kooperationen FEINE PRIVATHOTELS, Level 4 GreenSign zertifiziert sowie unter den TOP 25 der 101 besten Hotels Deutschlands.

 

Unser Tipp: Ein Wellnesswochenende in Heidelberg* – entspanne über den Dächern von Heidelberg auf der Sonnenterrasse des Europäischen Hofs Heidelberg und lass Dich verwöhnen. Oder melde Dich bei unserem nächsten Female Driving Retreat an! 

Dr. Wiebke Ankersen | Mercedes-Benz

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Weitere starke Frauen, die inspirieren. 

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Hier ein Auszug weiterer Protagonistinnen, die wir für unseren She’s Mercedes Newsletter interviewen durften:

  • Jasmin Eichler
  • Sue Giers
  • Stefanie Giesinger
  • Annica Hansen
  • Oona Horx-Strathern
  • Estelle Marandon
  • Guya Merkle
  • Annabelle Gräfin von Oeynhausen-Sierstorpff
  • Henrike Redecker
  • Maria von Scheel-Plessen
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