Hast Du den Schritt jemals bereut?
Nein. Nie. Ich habe durch diesen Schritt meine Berufung gefunden, und das ist ein großes Privileg. Unser Führungs-Credo ist: „Wir lieben, was wir tun.“ Es ist unser Ziel, jeden und jede an den Platz im Unternehmen zu setzen, bei der er oder sie liebt, was er oder sie tut. Dann folgen Freude, Begeisterung und Erfolg meistens von selbst. Ich habe das Glück, durch die Entscheidung für das Hotel eine Aufgabe gefunden zu haben, die ich liebe. Zudem ist es toll und auch berührend, gemeinsam mit meinen Eltern zu arbeiten. Wenn Nachfolgen gut funktionieren, kann etwas sehr Besonderes entstehen.
Mit Deinem Team hast Du die Vision entwickelt, das „herzlichste Luxushotel Deutschlands“ zu sein. Was erwartet die Gäste?
Wir bekommen immer wieder gesagt, dass man spüre, dass es uns hier im Europäischen Hof Heidelberg ein Herzensanliegen sei, allen Menschen, die unser Hotel betreten, glückliche Momente zu bereiten. Und das beginnt mit unseren Mitarbeitenden, geht über unsere Gäste bis hin zum Postboten oder zur Taxifahrerin. Wir sind kein Grandhotel, in dem man vor Ehrfurcht erstarrt, sondern vielmehr ein Ort, an dem man laut lachen, weinen, streiten, fröhlich und man selber sein darf. Es ist die besondere Seele des Hauses, das sehr besondere Team, eine herausragende, authentische Herzlichkeit und eine empathische und werteorientierte Unternehmens- sowie eine dienende Führungskultur, die uns ausmacht. Menschen können sich bei uns an ein emotionales und soziales Kraftfeld anschließen und erleben häufig ein Gefühl des Umsorgtseins, Getragenseins und des Wohlfühlens. Uns treibt ein höherer Sinn, der weit über das Ökonomische hinausgeht. All das können Gäste von uns erwarten und natürlich den aus tiefster Überzeugung herzlichen Service und die wirkliche Dienstleistung. Wir sind noch Dienstleister alter Schule und dienen würdig und mit Hingabe und Freude.
Vergangenes Jahr wurdest Du unter anderem dafür auch mit dem Preis „Hotelier des Jahres“ ausgezeichnet. Was bedeutet für Dich persönlich Luxus?
Längst bedeutet Luxus aus meiner Sicht keinen verschwenderischen Konsum mehr. Die neue Definition von Luxus dreht sich um Werte und Verantwortung. Der traditionelle Besitz-Luxus wurde schon die letzten Jahre immer mehr vom Erlebnis-Luxus verdrängt. Jetzt wird der Sinn-Luxus relevanter denn je. Und da spielt Nachhaltigkeit, in der ganzheitlichen Form, eine große Rolle. Menschen wollen verstärkt nicht mehr nur schöne, sondern gleichzeitig gute Dinge konsumieren, die dem Gemeinwohl nicht schaden, sondern es fördern. Luxus für uns ist eine besondere Form von Aufmerksamkeit, herzlicher Zuwendung und echter Präsenz. Es ist ein Lebensgefühl, welches man mit Geld nicht kaufen kann. Menschen im Herzen zu berühren und ihnen eine Freude zu bereiten, ist der Luxus, den ich und wir bieten wollen. Für mich persönlich ist Luxus, das zu tun, was ich liebe.
Du bist für 150 Mitarbeitende verantwortlich und verfolgst einen „wertorientierten und empathischen Führungsstil“, an erster Stelle stehen im Europäischen Hof die Mitarbeitenden, an zweiter der Gast und an dritter das Unternehmen. Wie kam es zu diesem Konzept? Seit wann? Wie lebt das Unternehmen das?
Wir haben uns in einem Visions- und Strategieprozess gefragt, was uns ausmacht und wie wir arbeiten wollen. Und im Zuge dessen haben wir neben unserer Vision und Mission auch unsere Unternehmens- und Führungsphilosophie formuliert. Dazu gehört auch, dass der Mitarbeitende bei uns an erster Stelle steht. Das heißt, wir würden zum Beispiel keine Entscheidungen treffen, die unser ökonomisches Ergebnis aus reiner Profitorientierung zwar verbessern, die aber zulasten der Mitarbeitenden gehen. Daher sourcen wir auch fast nichts aus – oder wir verzichten auf Umsatz, wenn die Mitarbeitenden zu stark belastet sind. Manche Gäste hat es am Anfang irritiert, dass wir kommuniziert haben, dass unsere Kolleginnen und Kollegen vor ihnen rangieren. „Wir sind hier doch König“, wurde mir manchmal gesagt. Ich habe das dann bejaht, aber erklärt, dass aus unserer Sicht nur glückliche Mitarbeitende auch unsere Gäste glücklich machen können. Daher stünden für uns diese an erster Stelle und im Mittelpunkt unseres Handelns. Und das hat nichts Transaktionales. Wir wollen einfach, dass es unseren Kolleginnen und Kollegen bei uns gut geht und dass sie Rahmenbedingungen vorfinden, in denen sie wachsen und ihr ganzes Potenzial entfalten können.
Recruiting zum Beispiel sei für Dich Chefsache, sagst Du. Wie begeisterst Du die Generation Z?
Wir sind hier eine große Familie und das Team ist entscheidend, dass wir hier Freude bei dem haben, was wir tun. Daher spreche ich gerne mit jedem, der zu uns stoßen will. Frühere Generationen konnte man vielfach noch mit Karriere locken und mit Firmenfahrzeugen, hohen Gehältern und Beförderungen motivieren. Heutzutage wollen viele junge Menschen tendenziell eine ausgewogene Balance zwischen Arbeits- und Privatleben, eine Aufgabe, der sie Sinn verleihen können, ein nachhaltiges Agieren des Unternehmens und eine gewisse Gemeinwohlorientierung der Unternehmung. Führung wird in diesem Kontext entscheidend, und die Führungskräfte stehen in besonderer Verantwortung, die Herausforderungen für eine lebenswerte Zukunft des Unternehmens und der darin arbeitenden Beschäftigten zu gestalten. Wir begeistern die Generation Z vor allem mit unserer authentisch gelebten empathischen und werteorientierten Unternehmens- und Führungskultur, mit einer guten Stimmung und mit Entwicklungs- und Karrieremöglichkeiten. Ich glaube übrigens, dass wir von den neuen Teammitgliedern ausgesucht werden und nicht umgekehrt.