Editorial von Usha Linthe-Rasch

Die neue Definition von Luxus dreht sich um Werte und Verantwortung.

Liebe Leser*in, 

 

sind Deine Koffer schon gepackt? Ich habe das Gefühl, diesen Sommer ist die Reiselust besonders groß, es ist der erste seit drei Jahren, in dem wieder alles möglich scheint ohne Einschränkungen. Neues entdecken, entspannen, Abstand finden vom Alltag. Dass man dafür gar nicht um die halbe Welt reisen muss, fällt mir immer wieder auf, wenn ich in Deutschland unterwegs bin. Etwa in Heidelberg, von wo wir starten, wenn unsere Driving Retreats am Hockenheimring stattfinden.

 

Caroline von Kretschmann ist dort unsere großartige Gastgeberin im Grandhotel Europäischer Hof. Einem Traditionshaus mit ganz viel Charme und Geschichte, das sie nun in vierter Generation führt. Aber auch einem Ort, an dem neue Wege gegangen werden. Diese Verknüpfung von Tradition, Vision und Luxus finde ich besonders spannend.

 

Ich wünsche Dir ganz viel Inspiration und neue Blickwinkel. Und solltest Du neugierig geworden sein auf Caroline, das Hotel und unsere She’s Mercedes Driving Retreats: Am 10. und 11. November findet das nächste in Heidelberg und am Hockenheimring statt – Details folgen im kommenden Newsletter. Oder schreib mir gerne eine Mail an usha.linthe-rasch@mercedes-benz.com, um Dich auf die Warteliste setzen zu lassen. Weitere Driving Retreats, auch an anderen spannenden Locations, sind bereits in Planung. Ich freue mich, wenn Du dabei bist.

Viel Spaß beim Lesen,

 

Deine Usha

Das Interview führte Julia Hackober, Fotos von Patrycia Lukas

Ein Interview mit Maria von Scheel-Plessen.

Als Speakerin lässt sie auch andere immer wieder an ihrem Wissen und ihren Learnings teilhaben. Im Interview hat sie Insights ihres Jobs in Mailand geteilt – und mit uns über Luxus, Innovationen und Führung gesprochen.

Maria von Scheel-Plessen, Digitale Transformerin

„Es geht darum, die Weltanschauung der Kunden zu verstehen.”

 
She's Mercedes Inspiration | Mercedes-Benz

 

Maria, was bedeutet Luxus für Dich?
Auf persönlicher Ebene bedeutet Luxus für mich Zeit, auf beruflicher Ebene Innovation.

 

Du bezeichnest Dich selbst als „digital enthusiast“, arbeitest inzwischen als Director EMEA bei Gucci. Wie verlief Dein Werdegang in die digitale Luxusbranche?
Ich habe VWL studiert und wusste zunächst nicht, ob ich im Digitalbereich arbeiten möchte. Dann habe ich bei Rocket Internet, einem Start-up-Inkubator, im Marketing angefangen, was reine Zahlenanalyse bedeutete. Später habe ich von Singapur die Marketingkommunikation für das südostasiatische Zalando geleitet, eine weitere Station war Amazon. Anschließend war ich bei Montblanc, um meine Learnings aus der digitalen Welt in der Luxusindustrie zu implementieren. Ich sehe dort aktuell noch riesiges Potenzial.


Inwiefern?
Die Luxusindustrie hat in den vergangenen zehn Jahren wenig in Digitalisierung, digitale Transformation oder technische Features investiert. Man fängt damit eigentlich gerade erst an. Mein Fokus liegt deshalb stark auf dem Digitalen, zumal ich die Messbarkeit liebe. Man kann sich gar nicht vorstellen, wie oft in der Luxus- oder Modeindustrie noch aufgrund von persönlichem Geschmack argumentiert wird. Für mich ist das keine Basis, auf der man Budgets entscheiden kann! (lacht) In meinem Job bei Gucci verbinde ich verschiedene Perspektiven aus Lifestyle, Marken-Image und Analytik – ein Jobprofil, das es in der Form noch nicht so lange gibt und das ich daher umso spannender finde.

 

Was begeistert Dich so an der Arbeit mit Luxusthemen?
Wir geben Trends vor. Bei Gucci erreichen wir mit unserer Marketing-Strategie circa zwei Prozent der Gesellschaft, also einen winzigen Bruchteil. Die Ansprache ist sehr edgy und progressiv, bedient eine absolute Nische. Wir wissen aber, wenn auch nur ein winziges Moment daraus die Masse erreicht, haben wir unser Ziel erreicht, nämlich: einen Trend zu setzen. Das messbar zu machen, begeistert mich. 

 

Wie war es für Dich als Zahlenmensch, in die Luxusbranche einzusteigen?
Schon herausfordernd. Es gab keinen Vertrauensvorschuss. Deshalb habe ich mir von Anfang an zum Ziel gesetzt, Zahlen zu nutzen, um alle Ideen belegen zu können: Wie verändert sich die Markenwahrnehmung, welche Auswirkung hat das auf den Verkauf, in welche Tools müssen wir investieren, um Maßnahmen tracken und messen zu können? Zahlen sind eine Sache.

 

„Ich liebe die Messbarkeit!“

Eine andere Frage ist doch: Wie kann man eine Luxusmarke digital erlebbar machen?

Wichtig ist zu überlegen: Wo wollen wir überhaupt präsent sein? Man muss nicht auf allen Kanälen sein, aber da, wo man ist, Qualität liefern. Wir arbeiten viel mit Videos, mit virtuellen Spiegeln, um die Marke den Kunden so nah wie möglich bringen zu können. Wir experimentieren mit Live-Streams und Live-Shopping, investieren in Technologien.  

 

Was sind die größten Herausforderungen der Luxusbranche, wenn es um die digitale Transformation geht?
Neben technischen Aspekten wie einer reibungslosen, nachvollziehbaren Customer Journey geht es darum, die Anschauungen und Wertesysteme der Kunden zu verstehen. Es geht um sehr reale Themen, die aber digital sichtbar und messbar werden. Das heißt zum Beispiel, als Marke die eigenen Zielgruppen genau zu untersuchen, um etwa aus Umfragen nachvollziehen zu können, welche an die Luxusbranche stellt.

 

Welche sind das?
Die ganz junge Generation sieht Luxusprodukte weniger als Statussymbol denn als Ausdrucksform des eigenen Lifestyles. Das hat mehr mit Weltanschauung als mit Geldausgeben zu tun. Auch deshalb ist es so wichtig, eine klare Message zu formulieren, wofür ein Unternehmen steht. Für Gucci sind geschlechterübergreifende Kollektionen zum Beispiel ein großes Thema, das Aufbrechen klassischer modischer Geschlechterrollen. Oder ein konkretes anderes Beispiel: Als die Debatte um die Abtreibungsrechte in den USA hochkochte, hatten wir eine Jacke auf dem Laufsteg, auf der stand: „my body, my rights“. Wir haben uns klar in der Debatte positioniert. Solche Standpunkte zu formulieren, ist in der Luxusindustrie immer noch sehr selten.

 

Welche Firmenkultur ist nötig, um solche Veränderungen umzusetzen?
Für mich sind Offenheit und Transparenz entscheidend. Die Mitarbeiter müssen sich empowered fühlen, sich bestimmter Themen anzunehmen und sich dafür auch verantwortlich zu fühlen. Bei meinem Team ist es mir wichtig, die Leute auch mal ins kalte Wasser zu schubsen. Man muss nicht immer alles schon „wissen“, es gehört zum Job, dazuzulernen – auch aus PR-Gaus oder Marketing-Fails.

 

Wie hast Du für Dich dieses Leitbild von Führungskultur entwickelt?
Ich war immer recht jung für die Verantwortung, die mir übertragen wurde. Ich musste in die beruflichen Rollen erst einmal reinwachsen, da war viel „learning by doing“ dabei. Also habe ich mir interne und externe Mentor*innen gesucht. Aus den Gesprächen habe ich viel gelernt und für mich entschieden, wie ich führen möchte – und wie nicht. Mein Ansatz ist: Ich habe die Aufgabe, ein Team so gut aufzustellen, dass ich in meiner Rolle irgendwann redundant bin. In dem Moment, in dem mein Team komplett übernehmen kann, ist es für mich als Führungskraft Zeit, weiterzuziehen.

 

Du leitest ein Team von 30 Mitarbeiter*innen. Wie gehst Du mit dem Druck um, für alle verantwortlich zu sein?
Ein Team zu leiten, ist für mich kein Druck. Ich weiß genau, was ich bieten kann und was nicht. Viele Führungskräfte sind nur auf ihrer eigenen Agenda unterwegs, mir ist es wichtig, dass ich alle mitnehme. Das ganze Team muss verstehen, warum welche Entscheidung wie getroffen wurde. Sonst weiß man ja nicht, warum man überhaupt an etwas arbeitet. Druck kommt für mich eher von anderer Seite, wenn es etwa um Zielerreichung geht. Ich mache viel Sport, um das auszugleichen, nehme mir Zeit, Dinge zu reflektieren.

 

„Für die Generation Z sind Luxusprodukte Ausdrucksform des eigenen Lifestyles.“

Du bist über Deinen Job hinaus als Speakerin viel unterwegs. Wie gelingt es Dir, im Alltagsgeschäft den Raum für Trendthemen zu öffnen, über neue Themen nachzudenken?
Ich bin sehr strukturiert. Und, zugegeben: Ich arbeite oft nachts und am Wochenende. Dieses Commitment gehe ich ein, weil es mir wichtig ist, neben der Arbeit ein Thema zu haben, für das ich brenne. Bei mir ist das digitale Transformation, aber auch Female Leadership. Ich möchte in den Themen Vorbild sein, soweit mir das möglich ist, auch wenn ich dafür manchmal bis nachts an Vorträgen sitze.

 

Was ist Dein Antrieb?
Die Resonanz, die ich zum Beispiel über Social Media bekomme, ist toll. Wenn ich sehe, dass ich jemandem bei einem Karrierethema weiterhelfen konnte, dann freue ich mich natürlich mit! Schließlich beobachte ich gerade bei Frauen noch viel zu häufig die altbekannten Probleme: Sie trauen sich nicht den nächsten Schritt zu. Es macht mir Spaß, an diesen Stellen andere Frauen pushen zu können, Möglichkeiten aufzuzeigen, wie die Karriere weiterverlaufen könnte.


Was muss sich ändern, damit sich Frauen beruflich noch mehr zutrauen?
Nicht jeder hat ein privates Umfeld, in dem man ermutigt wird. Und gerade Frauen sind häufig mit stressigen Jobs und Privatleben so gefordert, dass nicht viel Energie bleibt, um sich im Unternehmen um die Karriere zu kümmern. Dabei ist das von grundlegender Bedeutung: Wenn Frauen nicht an Entscheiderinnen-Positionen kommen, um dort für bessere Arbeitsbedingungen zu sorgen, die etwa  ein Familienleben mitdenken, dann werden Unternehmen nie gezwungen sein, Führungspositionen in Tandems oder in Halbtagsstellen anzubieten. Dieser Push muss von den Frauen selbst kommen, damit sich Unternehmen endlich mehr an Bedürfnisse von Frauen anpassen. Aber das klappt eben nicht, wenn Frauen nach dem ersten Baby keine Chance sehen, in der Form weiterzuarbeiten, wie sie es vorher gemacht haben, oder in unbefriedigenden Halbtagsjobs verbleiben, in denen sie nichts mitentscheiden können.

 

Woher hast Du die Mentalität, nicht nur Deine eigene Karriere voranzutreiben, sondern andere Frauen immer noch mitzudenken?
Ich habe einfach einen sehr starken Drive (lacht). Mein Vater ist Unternehmer, er ist ein starkes Vorbild für mich; er hat immer zu mir gesagt: Geht nicht, gibt’s nicht, das kriegst du schon hin. Auch in meiner Karriere gibt es Momente, die nicht ideal verlaufen sind. Was ich aber immer gemacht habe: mir proaktiv Feedback eingeholt. Nicht warten, ob und wann man gelobt oder kritisiert wird, sondern selbst nachfragen: Was kann ich besser machen? Nur so kann man lernen. Und das möchte ich gern weitergeben.

 

Du giltst als brillante Netzwerkerin. Welchen Rat gibst Du für erfolgreiches Netzwerken?
Mein Tipp: Auf jeden Fall einem existierenden Netzwerk beitreten, das zu einem passt! Ich bin zum Beispiel bei „Mission Female“, einem Netzwerk für Frauen in Führungsrollen. Durch den Kontakt mit anderen Frauen immer wieder den Horizont zu erweitern, finde ich sehr wichtig. So bleibe ich inspiriert, nah an Trends und kann auch immer wieder in andere Industrien reinschauen. Generell empfehle ich, regelmäßig Zeit für Konferenzen in der eigenen Branche einzuplanen, Podcasts zur Weiterbildung zu hören.

 

Wie findest Du Abstand und Ausgleich zu den digitalen Welten, mit denen Du Dich tagtäglich beschäftigst?

Mir gibt persönlicher Austausch sehr viel Kraft. Ich bin ein sehr kommunikativer Mensch, mich mit Freund*innen oder Kolleg*innen auszutauschen, hilft mir dabei, stressige Zeiten zu verarbeiten.

 

Du bist schon lange beruflich in der Luxusbranche unterwegs. Wenn Du Dir mal etwas gönnen möchtest – was kickt Dich da überhaupt noch?
Dinge, die über Generationen vererbt werden, wie etwa eine Birkin Bag von Hermès. So was finde ich schon auch toll, klar. Aber ich gebe mein Geld lieber für Erlebnisse und Reisen aus. Ich träume zum Beispiel von einer Husky-Schlittentour im ewigen Eis. Und ich würde gern mal länger durch Japan reisen, um die lokale Kultur richtig kennenzulernen. 

 

3 Tipps von Tipps von Maria von Scheel-Plessen

Wie etabliere ich mich als Speakerin?

1. Definiere die Themen, für die Du stehen willst. Menschen müssen wissen, woran sie bei Dir sind. Kenne Dein Wertegerüst genau und sprich darüber!

 

2. Überlege Dir: Welche sind die relevanten Konferenzen, auf denen diese Themen verhandelt werden? Vernetze Dich mit den Organisatoren, zum Beispiel über LinkedIn, informiere Dich, ob jemand aus Deinem Netzwerk dort schon mal gesprochen hat. Vor Ort kannst Du Dich mit einem Elevator Pitch etwa nach den Vorträgen von spannenden Persönlichkeiten vorstellen. Einfach hingehen und ansprechen!

 

3. Trainiere Deine Präsentationsfähigkeiten. Ich habe zum Beispiel mit einer Stimmtrainerin an meiner Atemtechnik für die Bühne gearbeitet, das hilft mir dabei, weniger aufgeregt zu sein, gerade, wenn man vor vielen Leuten spricht. Du kannst Dich auch einfach mal selbst filmen und beobachten, wie Du wirkst, zum Beispiel, ob Deine Sprechgeschwindigkeit angenehm ist. 

Weitere starke Frauen, die inspirieren. 

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Hier ein Auszug weiterer Protagonistinnen, die wir für unseren She’s Mercedes Newsletter interviewen durften:

  • Jasmin Eichler
  • Sue Giers
  • Stefanie Giesinger
  • Annica Hansen
  • Oona Horx-Strathern
  • Estelle Marandon
  • Guya Merkle
  • Annabelle Gräfin von Oeynhausen-Sierstorpff
  • Henrike Redecker
  • Maria von Scheel-Plessen
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