Das Interview führte Dr. Kasia Mol-Wolf, Fotos von Till Becker
Ein Interview mit Nina Ruge und Janneke Lupp.
Über die Themen Longevity und Prävention stolpert man neuerdings immer öfter. Und viele von uns beginnen bereits deutlich früher im Leben, sich damit auseinanderzusetzen. Aber wo anfangen?
Nina Ruge klärt mit ihrer Firma staYoung und dem gleichnamigen Podcast über Möglichkeiten der Gesundheitsprävention auf und bietet verständliche und wissenschaftlich fundierte Informationen. Dafür arbeitet sie jetzt auch mit Janneke Lupp zusammen, der Gründerin von gc diagnostics, die mit ihrem Team für das Diagnostiksystem Igloo gerade mit dem „Health-i Award“ von Handelsblatt und Techniker Krankenkasse ausgezeichnet wurde. Gemeinsam wollen sie Angebote zur Prävention niedrigschwelliger machen. Im Gespräch haben sie uns erzählt, welche Rolle Apotheken dabei spielen sollten, wie sie selbst vorsorgen – und was das Gesundheitssystem der Zukunft aus ihrer Sicht braucht, um effizient zu sein.
Ein spannendes Gesundheitsgespräch, das uns an vielen Stellen hat aufhorchen lassen. Inklusive persönlicher Tipps der beiden und Einblicke in ihre Arbeit.
Nina, Du bist Host Deines Podcasts unter Deinem Firmennamen staYoung. Was bedeutet für Dich dieser Begriff?
Nina: StaYoung ist für mich weit mehr als ein Trendbegriff. „Longevity“ wird inzwischen inflationär genutzt – oft vereinnahmt von Biohackern oder überteuerten Angeboten im Netz. StaYoung steht dagegen für eine Haltung: Übernimm Verantwortung für Deine Gesundheit. Informiere Dich aktiv über alles, was ein langes, gesundes Leben unterstützt.
Es sollte unser Ziel sein, die Zeit massiv zu verkürzen, die wir am Ende unseres Lebens an chronischen Alterskrankheiten leiden. Denn die brutale Realität ist, in Deutschland verbringen Menschen im Schnitt elf Jahre ihres Lebens schwer krank. StaYoung bedeutet daher für mich, so lange wie möglich gesund und vital zu bleiben. Nicht lange leiden, sondern lange gesund leben.
Dein neues Buch heißt „Ab morgen jünger!“. Wie können wir heute aktiv unser Altern beeinflussen? Und warum ist gerade jetzt der richtige Zeitpunkt, um über ein längeres, gesundes Leben zu sprechen?
Nina: Es geht um „gesundes Altern“ – seit wir Antibiotika und Impfungen haben, dürfen wir uns damit intensiv beschäftigen. Unser Glück: Die Zellbiologie hat seit 15 bis 20 Jahren so viele extrem komplexe Geheimnisse des Alterns gelüftet, dass uns das etliche Möglichkeiten eröffnet, Alterungsprozesse zu verlangsamen oder gar umzukehren. Das ist auch bitter nötig. Denn wegen der „vielen Alten“ und „wenigen Jungen“ in unseren modernen Gesellschaften drohen die Gesundheitssysteme in naher Zukunft zu kollabieren. Ich plädiere dafür, alles dafür zu tun, dass uns chronische Alterskrankheiten wie Schlaganfall, Herzinfarkt, Demenz, Krebs – es gibt rund 200 Alterskrankheiten – so spät wie möglich erwischen.
Du sprichst von der „epigenetischen Uhr“ – also unserem biologischen Alter. Was lässt diese Uhr schneller ticken, was kann sie verlangsamen oder sogar zurückdrehen? Und wie realistisch ist „biologische Verjüngung“ tatsächlich?
Nina: Epigenetische Uhren gibt es seit 13 Jahren, sie sind seitdem stark weiterentwickelt worden. Sie lesen epigenetische Muster auf unserer DNA aus, per Speichel- oder Blutproben, und können aufgrund komplexer Algorithmen die alterstypische Aktivierung oder Stilllegung von Genen erkennen – also unser biologisches Alter. Die epigenetische Steuerung unserer DNA kann tatsächlich durch Ernährung, Sport, mentale Faktoren, Stress, Gifte etc. in Richtung „Alterung“ oder „Verjüngung“ gedreht werden. Heute werden zusätzlich noch etliche weitere Biomarker wie Blutwerte oder Proteinzusammensetzung im Blut für eine noch bessere Bestimmung des Alterungsstatus genutzt.
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